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Rezension

Coup: Ein Spiel, in dem man lügen darf

20.10.2026 · 4 Min. LesezeitSchnelle Spiele

Spieler 2–6 (Schachtel), bei uns am besten 5–6 // Spieldauer etwa 15 Min. (Schachtel) // Alter 14+ (Originalausgabe), kein Kinderspiel // Autor Rikki Tahta //

Kennengelernt habe ich Coup bei einem Spieleabend mit Kollegen. Eine Zeit lang haben wir uns regelmäßig nach Feierabend zum Spielen getroffen, und eines Abends brachte ein Kollege, der sehr viele Brett- und Computerspiele spielt, diese kleine Schachtel mit. Ich war sofort begeistert.

Coup war eines der ersten Bluffspiele, die ich überhaupt gespielt habe. Und mich hat fasziniert, wie schnell man in einer Runde die Leute kennenlernt: wer blufft, wer nie blufft, wer eine Taktik hat und wer einfach Spaß am Chaos.

Was ist Coup?

Ein Kartenspiel von Rikki Tahta, erschienen bei Indie Boards & Cards, auf Deutsch beim Heidelberger Spieleverlag und bei Asmodee. Die Schachtel sagt 2 bis 6 Personen und etwa 15 Minuten. Die Originalausgabe nennt ab 14 Jahren.

Jede Person hat zwei verdeckte Charakterkarten vor sich. Das ist dein Einfluss am Hof. Verlierst du beide, bist du raus. Wer am Ende als Letzte oder Letzter noch eine Karte hat, gewinnt.

Es gibt fünf Charaktere:

  • Herzog: nimmt drei Münzen und blockt die Hilfe aus dem Ausland
  • Assassine: zahlt drei Münzen und schaltet eine Karte eines Gegenübers aus
  • Gräfin: blockt den Assassinen
  • Kapitän: stiehlt zwei Münzen von einem Gegenüber und blockt Diebstahl
  • Botschafter: tauscht Karten mit dem Stapel und blockt ebenfalls Diebstahl

Der Clou: Du darfst jede dieser Fähigkeiten nutzen, egal welche Karten du wirklich hast. Wer dir nicht glaubt, zweifelt dich an. Hast du gelogen, verlierst du eine Karte. Hattest du recht, verliert die Person, die gezweifelt hat.

Der Bluff, den ich nicht vergesse

An diesem ersten Abend gab es einen anderen Kollegen, der die ganze Zeit dieselbe Rolle behauptete. Immer wieder spielte er auf genau diese eine Karte. Irgendwann wusste niemand mehr: Hat er sie jetzt, hat er sie nicht, hat er sie doch? Und zwischendurch kam er auch noch ein-, zweimal an neue Karten. Totaler Wahnsinn. Welche Rolle es war, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr, aber an diesen Abend denke ich heute noch.

Es polarisiert

Ehrlich gesagt: Coup kommt nicht bei allen gut an. Meine Frau mag es überhaupt nicht. Das ständige Anlügen und Rumtaktieren gefällt ihr nicht, und das Thema ist auch gar nicht ihrs. Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, aber es gibt die Kritik eben auch in den eigenen Reihen.

Ich versuche trotzdem immer wieder, es auf den Tisch zu bringen. In unserer Spielerunde mit den Nachbarn gibt es zwei, drei Fans, die es sehr gern spielen. Coup ist eines dieser Spiele, das man liebt oder nicht.

Mit Kindern?

Unsere Zehnjährige hat es einmal mitgespielt und fand es cool. Ihr Kommentar: „Das ist ein Spiel, wo man lügen darf.“

Trotzdem kommt es mit den Kindern eigentlich nie auf den Tisch. Man schaltet sich gegenseitig aus, es geht ums Anlügen, und das ist thematisch einfach kein Kinderspiel. Für Kinder gibt es bessere Bluffspiele, zum Beispiel Tempel des Schreckens, in dem Abenteurer einen Tempel erkunden und Wächterinnen ihn beschützen.

Die richtige Runde

Je größer die Runde, desto besser, bis zum Maximum von sechs. Zu viert geht es, zu fünft oder sechst macht es am meisten Spaß. Und weil eine Runde so schnell vorbei ist, muss niemand lange warten, der früh rausgeflogen ist.

Was wir in der Community hören

Viele loben dasselbe wie wir: wenige Karten, schnell erklärt, und eine Spannung, die nur aus dem Kopf kommt. „Hätte sie das wirklich gemacht, wenn sie die Karte hätte?“ Genau diese Gedankenschleifen machen das Spiel aus.

Es gibt aber auch die andere Seite. Manche finden das reine Bluffen und Anzweifeln auf Dauer wenig aufregend und greifen lieber zu Love Letter, weil es mehr taktische Tiefe hat. Andere nennen die Stimmung am Tisch „ein bisschen toxisch“. Das deckt sich mit dem, was meine Frau sagt.

Für wen ist Coup?

Eigentlich für alle, die Spaß am Bluffen und Taktieren haben, am besten in größeren Runden ab vier. Wer einmal diesen Moment erlebt hat, in dem niemand mehr weiß, wer was hat, will sofort noch eine Runde.

Nichts ist es für alle, die am Tisch nicht lügen und betrügen wollen, so wie meine Frau. Und auch nicht für kleine Runden oder für Kinder. Wenn du ein kurzes Kartenspiel mit Bluff, aber weniger Gift am Tisch suchst, schau dir Love Letter an.

Und bei euch: Wer ist am Tisch der beste Lügner?

Wo es glänzt

  • In wenigen Minuten erklärt, Runden dauern nur ein paar Minuten
  • Man lernt die Leute am Tisch erstaunlich schnell kennen
  • Bluffs, über die man noch Jahre später redet
  • Wer rausfliegt, wartet kaum

Wo es zwickt

  • Polarisiert: Wer Anlügen nicht mag, hat keinen Spaß
  • Thema mit gegenseitigem Ausschalten, kein Kinderspiel
  • Erst in größeren Runden richtig gut

Steckbrief

Spieler
2–6 (Schachtel), bei uns am besten 5–6
Spieldauer
etwa 15 Min. (Schachtel)
Alter
14+ (Originalausgabe), kein Kinderspiel
Autor
Rikki Tahta
Verlag
Indie Boards & Cards, auf Deutsch bei Heidelberger Spieleverlag bzw. Asmodee
Gespielt mit
Kollegen, Nachbarn, einmal mit unserer Zehnjährigen

Mehr davon?

Eine E-Mail, ab und zu: was bei uns auf den Tisch kam, was gefloppt ist und was die Kinder wirklich nochmal spielen wollten.

FAQ

Wie funktioniert Coup?

Jede Person hat zwei verdeckte Charakterkarten und ein paar Münzen. Du darfst die Fähigkeit jedes Charakters nutzen, auch wenn du ihn gar nicht hast. Wer dir nicht glaubt, zweifelt an. Wer am Ende als Letzte oder Letzter noch eine Karte hat, gewinnt.

Welche Rollen gibt es in Coup?

Fünf: den Herzog, der drei Münzen nimmt, den Assassinen, der für drei Münzen eine Karte ausschaltet, die Gräfin, die den Assassinen blockt, den Kapitän, der zwei Münzen stiehlt, und den Botschafter, der Karten mit dem Stapel tauscht.

Mit wie vielen Personen spielt man Coup am besten?

Die Schachtel sagt 2 bis 6. Bei uns gilt: je größer die Runde, desto besser, mindestens vier, am liebsten fünf oder sechs.

Ist Coup für Kinder geeignet?

Unsere Zehnjährige fand es cool, aber thematisch ist es kein Kinderspiel: Man schaltet sich gegenseitig aus, und es geht ums ständige Anlügen. Für Kinder ist Tempel des Schreckens das bessere Bluffspiel.

Was, wenn man früh rausfliegt?

Die Runden sind so kurz, dass man nicht lange wartet. Meistens geht es direkt in die nächste Partie.

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