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Rezension

Doomlings: Niedlicher Weltuntergang, nervige Wertung

12.10.2026 · 6 Min. LesezeitFamilienspieleabend

Die Doomlings-Schachtel auf einem Holztisch mit leuchtenden Blitzen auf dem Deckel, davor Zeitalter-Karten und die Karte Birth of Life

Spieler 2–6 // Spieldauer unter 30 Min. zu dritt (unsere Partien); zu sechst etwas länger // Alter 8+ (Shop des Verlags); oft liest man auch 10+ // Autor Justus Meyer, Andrew Meyer //

Die Welt geht unter. Mal wieder. Eine Katastrophe jagt die nächste, und du kannst nur dafür sorgen, dass deine winzige Spezies lange genug überlebt, um ein paar Punkte zu sammeln, bevor das finale Ereignis alles wegfegt. Willkommen bei Doomlings, der niedlichsten Apokalypse, die du je ausrichten wirst.

Wir haben ein paar Runden am Rand des Aussterbens gespielt und hatten einen Riesenspaß. Dann kam die Erweiterung Imaginary Ends, und wir haben noch länger damit verbracht. Mehr dazu weiter unten.

Was ist Doomlings?

Doomlings ist ein Kartenspiel für zwei bis sechs Leute. Jede Karte ist eine Eigenschaft, die du deiner Spezies hinzufügst: manche mächtig, manche albern, viele greifen ineinander. Währenddessen treibt der Zeitalter-Stapel die Welt ihrem Ende entgegen und wirft allen Katastrophen vor die Füße. Wenn die letzte Katastrophe eintritt, ist das Spiel vorbei, und du zählst deine Eigenschaften zusammen.

Entworfen haben es die Brüder Justus und Andrew Meyer, Justus hat auch die Illustrationen gezeichnet. Erschienen ist es 2022 bei Doomlings LLC. Der Verlag gibt 20 bis 45 Minuten an. Zu dritt brauchen wir unter 30 Minuten. Zu sechst dauert es etwas länger, zieht sich aber nie.

Wie es sich spielt

Doomlings erklärst du in etwa fünf Minuten. Der Ablauf ist simpel:

  • Eine Spezies bauen. Du spielst Eigenschaftskarten vor dir aus. Jede bringt Punkte und einen Effekttext, und der Spaß liegt darin, Eigenschaften zu finden, die zusammenspielen.
  • Die Zeitalter überleben. Der Zeitalter-Stapel treibt die Welt ihrem Untergang entgegen und wirft allen Katastrophen vor die Füße.
  • Katastrophen zählen. Wenn die dritte Katastrophe auftaucht, geht die Welt unter, und alle zählen ihre Eigenschaftspunkte zusammen.
  • Auf den Weltuntergang achten. Katastrophen und die finale World’s-End-Wertung können eine starke Position kurz vor dem Zählen zerlegen.

In der Ausgabe von 2022 sind das 160 Eigenschaftskarten, 25 Zeitalter, 15 Katastrophen, 6 Gene-Pool-Karten und eine Birth-of-Life-Karte. Kleine Schachtel, reichlich Untergang.

Chaos mit Köpfchen

Was wir lieben: die ständige Interaktion. Alle kämpfen ums Überleben, und jeder Zug wirft dir etwas Unvorhersehbares hin. Aber es ist nicht bloß zufälliges Rauschen. Mitten im Chaos gibt es echte taktische Entscheidungen, und hinter der kurzen Spieldauer steckt mehr Tiefe, als du erwarten würdest.

Das Design ist charmant niedlich, die Kartenqualität erstklassig. Es sieht aus und fühlt sich an wie ein Spiel, das mit Liebe gemacht wurde.

Der Haken: die Wertung

Die Wertung ist wenig intuitiv und fühlt sich komplizierter an, als sie sein müsste. Es gibt ein Online-Tool dafür, aber das löst das Problem nicht wirklich. Ein einfacher Wertungsblock in der Schachtel hätte viel geholfen.

Je nach Geschmack fällt dir vielleicht auch auf:

  • Zu fünft oder sechst kann der Stapel schnell leer sein.
  • Es gibt Glück und ein paar gemeine Aktionen wie Karten tauschen oder klauen. Reine Strategie ist das nicht.
  • Wenn du langfristiges strategisches Planen liebst, ist das nicht dein Spiel.

Nichts davon verdirbt uns den Spaß. Du solltest nur wissen, worauf du dich einlässt: ein chaotisches, schnelles Spiel, kein Puzzle.

Imaginary Ends: fünf Erweiterungen in einer Schachtel

Wir lieben Doomlings, also konnten wir Imaginary Ends kaum erwarten. Und ehrlich gesagt hat diese Rezension viel länger gedauert als geplant, denn diese Schachtel testest du nicht mal eben schnell. Eine Partie pro Variante reicht nicht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, also haben wir jede mehrmals durchgespielt.

Die Schachtel erschien 2024 und enthält fünf Sets, jedes mit eigener Regelkarte, sodass du sie einzeln dazunehmen kannst. Jedes bringt eigene Mechaniken, eigenen Charakter und eigenes Chaos:

Set Was es hinzufügt
Magical Merchants Zielkarten, die beim Erfüllen Punkte bringen, dazu Schmuckstücke
Glitterlings Eigenschaften, die vom Zufall leben
Moonlings unerwünschte Karten an Gegner:innen weitergeben; ein kleiner Genpool zahlt sich aus
Deeplings eine neue Mechanik zum „Unterdrücken“, die Eigenschaften verdeckt umdreht
Fuzelings eine Mischung der anderen Sets, mit größeren Schlussboni und Kombos

Unser Favorit: die Moonlings, das Set, in dem du unerwünschte Karten an deine Gegner:innen weiterreichen darfst.

Lohnt sich Imaginary Ends? Ja, wenn du mehr Karten und mehr Abwechslung willst. Das Grundspiel brauchst du dafür.

Welches Doomlings solltest du kaufen?

Doomlings ist zu einer ganzen Familie von Schachteln angewachsen, und das kann etwas verwirren. Aktuell listet der Shop des Verlags ein Remastered-Grundspiel neben einer Classic-Ausgabe mit dem Hinweis „retiring soon“, dazu größere Bundles mit Erweiterungen und Extras. Die Remastered-Version haben wir nicht gespielt, wie viel sie ändert, können wir dir also nicht sagen.

Neben Imaginary Ends gibt es weitere Erweiterungen wie Legends of Enderas, die zufälligen Booster-Packs von Overlush und kleine Sets wie Shadow Puppets. Keine davon haben wir ausprobiert. Unser Rat: Fang mit dem Grundspiel an, und wenn es zündet, ist Imaginary Ends die Erweiterung, für die wir die Hand ins Feuer legen.

Und falls du dich fragst, wie sich Doomlings im Vergleich zu anderen chaotischen Kartenspielen schlägt, so wird es in der Community oft eingeordnet:

Spiel Im Vergleich
Exploding Kittens gleiche leichte, gesprächige Ecke; manche finden Doomlings lustiger, Kittens dünner
Fluxx Doomlings ist strukturierter
Uno Doomlings ist ein etwas gehaltvolleres Familienspiel
Evolution Doomlings ist leichter

Doomlings mit Kindern?

Bei uns nicht, zumindest noch nicht. Du musst die Karten lesen, und da steht viel Text drauf. Dazu kommt, dass es Doomlings nach allem, was wir finden konnten, nicht auf Deutsch gibt. Das macht es selbst für unsere Zehnjährige schwer. Unsere Sechsjährige spielt es nicht. Wenn deine Kinder sicher Englisch lesen, sieht die Sache anders aus.

Selbst die Altersangabe ist nicht einheitlich: Der Shop des Verlags sagt 8+, an anderen Stellen liest man 10+. Schau auf die Schachtel der Ausgabe, die du kaufst.

Andere Familien haben gute Erfahrungen gemacht. In der Community hört man von Achtjährigen, die neben erfahrenen Spieler:innen Spaß daran hatten, und von Familien, die es oft mit ihren Teenagern spielen. Derbes steckt jedenfalls nicht drin. Nimm das als Hinweise von anderen Tischen, nicht als unser Urteil.

Worauf du achten solltest:

  • Lesen. Jede Eigenschaft hat einen Effekttext. Ein Kind, das nicht flüssig liest, und zwar auf Englisch, braucht Hilfe.
  • Farben. Die Karten sind nach farbigen Rändern sortiert, was für farbenblinde Spieler:innen schwierig sein kann.
  • Ausschläge. Manche Effekte sind Pflicht und können dir schaden, und der Weltuntergang kann die Punktestände auf den Kopf stellen. Ein Kind, das die ganze Partie vorne lag, fühlt sich dann vielleicht beraubt.

Was wir in der Community hören

Gelobt werden die schnelle Erklärung, die niedlichen Illustrationen und das leichte, gesprächige Spielgefühl. Die Karten laut vorzulesen gehört zum Spaß dazu, und als Absacker zwischen schwereren Spielen funktioniert es gut. Weil man beim Spielen quatschen kann, passt es für viele gut in gemischte und lockere Runden.

Die häufigste Kritik: viel Glück, Katastrophen, die eine starke Position zerlegen können, und Entscheidungen, die manchmal dünn sind. Der Aufbau ist etwas fummelig. Drei oder vier Leute gelten oft als Sweet Spot, das passt zu unserer Erfahrung.

Zu Imaginary Ends hört man, dass die Abwechslung und die Regelkarten, mit denen du Sets nach und nach dazunimmst, gut ankommen, aber auch, dass mehr Zufall und größere Punkteschwankungen reinkommen.

Unser Fazit

Wenn du Spiele mit Humor, Überraschungen und lebendiger Tischdynamik magst, ist Doomlings eine großartige Ergänzung deiner Sammlung. Es lebt von Chaos und schnellen Entscheidungen, und jede Runde ist anders. Die WG am Spieleabend, eine Familie mit Teenagern, Freund:innen, die über Pech lachen: Das ist eure Apokalypse.

Wenn du planbare Strategie willst oder deine Kinder noch kein Englisch lesen, schau dich woanders um. Und egal was du tust: Leg Stift und Papier für die Wertung bereit.

Wo es glänzt

  • Ständige Interaktion, weil alle ums Überleben kämpfen
  • Taktische Entscheidungen mitten im reinen Chaos
  • Kurze Spieldauer, und trotzdem steckt Tiefe drin
  • Charmant niedliches Design und erstklassige Kartenqualität
  • Imaginary Ends bringt fünf Varianten, jede mit eigenem Charakter

Wo es zwickt

  • Die Wertung ist wenig intuitiv und komplizierter als nötig
  • Zu fünft oder sechst kann der Stapel schnell leer sein
  • Glück und gemeine Aktionen (tauschen, klauen): keine reine Strategie
  • Viel englischer Text und keine deutsche Ausgabe: schwer für unsere Kinder

Steckbrief

Spieler
2–6
Spieldauer
unter 30 Min. zu dritt (unsere Partien); zu sechst etwas länger
Alter
8+ (Shop des Verlags); oft liest man auch 10+
Autor
Justus Meyer, Andrew Meyer
Verlag
Doomlings LLC
Sprache
nur Englisch (keine deutsche Ausgabe)
Gespielte Erweiterung
Imaginary Ends (Lieblingsvariante: Moonlings)
Kategorie
Kartenspiel

Mehr davon?

Eine E-Mail, ab und zu: was bei uns auf den Tisch kam, was gefloppt ist und was die Kinder wirklich nochmal spielen wollten.

FAQ

Ist Doomlings gut für Kinder?

Nur wenn sie gut Englisch lesen. Auf den Karten steht viel Text, und es gibt keine deutsche Ausgabe. Das macht es selbst für unsere Zehnjährige schwer. Unsere Sechsjährige spielt es nicht.

Wie lange dauert Doomlings?

Zu dritt sind wir in unter 30 Minuten fertig. Zu sechst dauert es etwas länger, zieht sich aber nie.

Lohnt sich die Doomlings-Erweiterung Imaginary Ends?

Ja, wenn du mehr Karten und mehr Abwechslung willst. Sie enthält fünf verschiedene Varianten, und jede bringt eigene Mechaniken mit. Unser Favorit sind die Moonlings.

Ist Doomlings ein Strategiespiel?

Nicht wirklich. Es gibt taktische Entscheidungen, aber auch viel Glück und ein paar gemeine Aktionen wie Karten tauschen oder klauen. Wenn du lieber strategisch planst, ist es nicht dein Spiel.

Mit wie vielen Leuten spielt sich Doomlings am besten?

Zu dritt sind unsere Partien schnell und lebendig. In der Community gelten drei oder vier oft als Sweet Spot, zu sechst wird es langsamer. Zu fünft oder sechst kann außerdem der Stapel schnell leer sein.

Braucht man das Grundspiel für Imaginary Ends?

Ja. Imaginary Ends ist eine Erweiterung und braucht das Doomlings-Grundspiel.

Wie endet eine Partie Doomlings?

Wenn die dritte Katastrophe eintritt, geht die Welt unter. Dann zählen alle die Punkte der Eigenschaften ihrer Spezies.

Wir haben dieses Spiel als kostenloses Rezensionsexemplar bekommen.

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