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Ratgeber

Acht Hallen, ein Tag, null Zeit für Neues: SPIEL Essen 2026

22.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Volle Gänge auf der SPIEL Essen 2026, Menschenmengen zwischen den Ständen

Wir dachten, wir wären früh genug losgefahren. Waren wir nicht. Die Autobahn war voll, die Parkplätze waren voll, und als wir in die erste Halle kamen, fühlte sich der Tag schon kürzer an als geplant.

Das war unsere SPIEL Essen 2026: ein Donnerstag, ohne Kinder (die waren bei den Großeltern), für meine Frau der zweite Besuch, für mich der allererste. Hier steht, wie es war, welche Hallen sich lohnen und was wir anders machen würden. Was wir gekauft haben, steht in einem eigenen Artikel.

Die schnelle Antwort

  • Unsere Ausbeute: fünf Spiele, hier im Detail.
  • Bester Moment: eine Erklärung an einem der ersten Tische, an denen wir stehen blieben.
  • Ehrliches Fazit: beeindruckend, an einem vollen Tag aber zu voll, um Neues zu entdecken.
  • Zum Entdecken: Halle 3 und 4, bei den kleineren Verlagen.
  • Nächstes Mal: zwei Tage für uns, dazu ein kurzer Besuch mit den Kindern.

Groß, laut, voll

Die SPIEL Essen ist riesig. Laut Veranstalter gibt es 1.885 Neuheiten, fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr (Pressekonferenz, via Reich der Spiele). Über 900 Aussteller hatten sich angemeldet, und zum ersten Mal belegt die Messe das komplette Gelände der Messe Essen. Erwartet wurden rund 230.000 Besucher:innen an vier Tagen (spielbox-Vorschau, Stand 04.09.2026).

Ein voller Gang in Halle 7, Menschen dicht an dicht zwischen den Ständen

Das spürt man. Es ist groß, es ist laut, es ist voll. Alle großen Verlage sind da, und die FOMO hört nicht auf: da drüben etwas, das man noch nicht gesehen hat, hier eine Traube Menschen um einen Tisch. So viele neue Spiele kann niemand an einem Tag aufnehmen.

Also haben wir gemacht, was man wohl machen sollte. Unsere Shortlist stand vorher, in unserer Merkliste zur SPIEL Essen und unseren Beiträgen zu den meisterwarteten Neuheiten, und die haben wir größtenteils direkt angesteuert.

Der beste Moment kam zuerst

Wir gingen recht flott durch Halle 8 bis in Halle 7, und dort war der Stand von Czech Games Edition. Einer der ersten Tische, an denen wir stehen blieben, hatte Drillers aufgebaut. Ein sehr netter Typ kam rüber, fragte, ob wir Interesse hätten, und erklärte uns in ein paar Minuten das Spiel und die Mechaniken. Genau so hatte ich mir eine Spielemesse vorgestellt.

Der Stand von Czech Games Edition mit Drillers-Tischen, an denen erklärt und gespielt wird

Fünf Minuten später hatten wir Drillers in der Hand. Wir haben uns riesig gefreut. Die deutsche Ausgabe zeigte übrigens HeidelBÄR in Halle 6, auch dort mit tollen Vorführungen.

Leider blieb es lange der einzige Moment dieser Art. Die Gänge wurden voller, enger und lauter. Wenn wir mal an einem Tisch stehen blieben, hatten die Erklärer:innen alle Hände voll zu tun. Großer Respekt, aber niemand kann Tausenden Leuten im Vorbeigehen Spiele erklären.

Halle 7 fühlt sich an wie Asmodee

Gleich nach Drillers ging es weiter durch Halle 7. Und da hatte ich das Gefühl: Diese Halle ist eigentlich Asmodee. Wie viel ist hier Messe, und wie viel ist Asmodee? Klar, Kosmos und Schmidt Spiele sind auch da. Aber allein der Asmodee-Shop war so voll, dass es Schlangen gab. Nacht im Zoo hätten wir dort kaufen können. Wir haben zwei-, dreimal überlegt, uns anzustellen, und es dann gelassen.

Ein Spieltisch im Asmodee-Bereich, über den Köpfen hängen Uhren als Deko

Riesig gefreut habe ich mich, als wir irgendwann den Stand von Nerdlab Games gesehen haben, dem Verlag hinter Mindbug und Agent Avenue. Drumherum war es aber so voll, dass wir gar nicht drangekommen sind. Eigentlich hatte ich überlegt, die Premiumboxen von Mindbug Battlefruits mitzunehmen. Und ich hätte mir gern Final Titan angeschaut, ein weiteres Spiel des Verlags. Keine Chance.

Wenn wir nur zwei Hallen hätten: 3 und 4

Es gibt so viel zu sehen. Dürfte ich mir aber nur ein oder zwei Hallen anschauen, wären es wahrscheinlich Halle 3 und 4. Dort stehen nicht die riesigen Verlage, sondern kleinere Verlage und Autor:innen-Teams. Dort haben wir bei Albi Nacht im Zoo doch noch gefunden, nach vielleicht zehn Minuten Anstehen.

Ein kleiner Verlagsstand mit ausgelegten Karten von Munch: Midnight Madness

Der Unterschied: Die Stände sind so groß, dass man sich tatsächlich mal etwas anschauen kann. In Ruhe? Na ja, für Messeverhältnisse. Ein Spiel richtig anspielen geht, aber es ist super, super anstrengend.

Wer zögert, geht leer aus

Asmodee-Shop und Nerdlab-Stand haben wir ja schon ausgelassen. Und als wir Nacht im Zoo bei Albi doch noch fanden, war das deutsche Messepaket schon weg. Die deutsche Ausgabe von The Old King’s Crown war leider auch schon ausverkauft. Die hätten wir gern noch mitgenommen.

In Halle 3 haben wir außerdem die Schlange für Queen Alice gesehen. Hunderte Leute, die für ein einziges Spiel anstanden.

Die Messe belohnt Leute, die vorbestellen und reservieren. Das sind wir nicht. Wir wären gern nach Essen gefahren, um Neues zu entdecken. Am Ende haben wir auch nur unsere Liste abgearbeitet. Die SPIEL macht es einem leicht, genau das zu tun, und schwer, alles andere. Und ja: Auch Halle 3, unser Tipp, ist davor nicht sicher.

Was wir mitgebracht haben

Fünf Spiele: Drillers, -60°, Nacht im Zoo, Karak: Labyrinth und Take Time. Ausgepackt haben wir alle, gespielt noch keins. Warum es genau diese fünf wurden und wie es zu jedem kam, steht in unserer Ausbeute von der SPIEL Essen 2026.

Was wir anders machen würden

Ein Tag reicht nicht. An einem Tag sieht man alle Hallen, aber nicht alle Spiele. Wir waren den ganzen Tag damit beschäftigt, die Liste abzuarbeiten, die wir uns vorher gemacht hatten. Ein tolles neues Spiel zu finden, von dem wir noch nichts gehört hatten, wäre reiner Zufall gewesen.

Deshalb nächstes Mal:

  • Tag eins: die Shortlist, wie dieses Jahr.
  • Tag zwei: ganz entspannt bei den kleinen Verlagen und Autor:innen, ein, zwei Spiele antesten, sich etwas erklären lassen. Dafür war dieses Jahr überhaupt keine Zeit.
  • Tag drei: ein kurzer Besuch mit den Kindern, höchstens zwei bis drei Stunden. Danach ist jedes Kind kaputt und völlig reizüberflutet. Aber sie sollen ja auch mitreden und sich umschauen dürfen.

Alles an einem Tag geht nicht.

Und wir hoffen auf eine Presseakkreditierung im nächsten Jahr. Dieses Mal hat es nicht geklappt, aber ein ruhigerer Pressetag wäre die Chance, Spiele zu entdecken, die noch niemand hypt. Das hat mir am meisten gefehlt.

Spontan geht nicht mehr

Alle Tage außer Sonntag waren schon vor der Messe ausverkauft, eine Tageskasse gibt es nicht (Reich der Spiele). Die Tageskarte kostet 25 Euro, 1,50 Euro mehr als im Vorjahr (Brettspiel-News).

Das ist viel Geld für einen Tag, an dem man kaum in Ruhe ein Spiel anspielen kann. Die Spiele selbst waren auch nicht günstiger als online. Rechnet man Eintritt, Sprit und Parken dazu, ist Essen der teuerste Spieleladen des Jahres. Wer hinfährt, sollte wegen der Leute und der Neuheiten fahren, nicht wegen der Preise. Und wer im nächsten Jahr mit Kindern kommen will, so wie wir, entscheidet das im Sommer, nicht im Oktober.

Größer geht nicht mehr

Mit allen acht Hallen gibt das Gelände nichts mehr her (WZ). Halle 8 war früher der Wartebereich vor der Öffnung, jetzt ist sie Ausstellungsfläche (Würfelreich).

Die neue Convention-Halle mit Bühne, Bildschirmen und Sitzreihen

Mehr Fläche hat aber nicht mehr Luft gebracht. Es war trotzdem voll, eng und laut, und Halle 8 war für uns nur der Durchgang zu Halle 7. Wenn Essen nicht mehr wachsen kann, muss es sich entscheiden, wofür der Platz da ist. Für uns ist die Antwort klar: mehr Tische zum Spielen, weniger Fläche zum Verkaufen.

Essen oder Berlin?

Die SPIEL Essen ist beeindruckend. Alle sind da, jeder Verlag, und man kann Autor:innen treffen. Aber ganz ehrlich: Mir persönlich gefällt die Berlin Brettspiel Con um Längen besser.

Dort ist im Verhältnis zur Besucherzahl viel mehr Platz an den Tischen. Man kann Spiele wirklich ausprobieren, und die gehypten Titel sind oft auch da. Die Prototypen-Galerie finde ich spannender, und die große Convention-Halle ist zum Spielen gemacht. Es fühlt sich an wie ein Community-Event, nicht wie eine Messe.

Würden wir wieder hinfahren? Wenn es wieder in die Herbstferien fällt, wahrscheinlich ja. Nur nicht für einen Tag.

Wart ihr auf der SPIEL Essen? Wie viele Tage plant ihr ein?

Mehr davon?

Eine E-Mail, ab und zu: was bei uns auf den Tisch kam, was gefloppt ist und was die Kinder wirklich nochmal spielen wollten.

FAQ

Welche Spiele habt ihr auf der SPIEL Essen 2026 gekauft?

Drillers (deutsche Ausgabe), -60°, Nacht im Zoo, Karak: Labyrinth und Take Time. Warum gerade diese fünf, steht in unserem Artikel zur Ausbeute.

Reicht ein Tag für die SPIEL Essen?

Für uns nicht. Ein Tag reichte, um alle Hallen zu sehen und unsere Einkaufsliste abzuarbeiten, aber nicht, um Neues zu entdecken oder Spiele am Tisch auszuprobieren. Nächstes Mal würden wir zwei Tage für uns einplanen und einen kurzen Extratag mit den Kindern.

Kann man auf der SPIEL Essen gut Spiele ausprobieren?

An einem vollen Tag kaum. Die Gänge waren voll, und die Erklärer:innen haben einen tollen Job gemacht, konnten aber nicht allen, die vorbeiliefen, Spiele erklären. Auf der Berlin Brettspiel Con fanden wir es viel leichter, sich hinzusetzen und zu spielen.

Sind Spiele auf der SPIEL Essen günstiger?

Nach unserer Erfahrung nicht. Die Preise waren nicht wirklich niedriger als in jedem Online-Shop.

Welche Hallen lohnen sich auf der SPIEL Essen?

Für uns Halle 3 und 4. Dort stehen kleinere Verlage und Autor:innen-Teams, und an den Ständen kann man sich tatsächlich etwas anschauen. Halle 7 fühlte sich dagegen fast komplett nach Asmodee an, mit langen Schlangen am Shop.

Gibt es auf der SPIEL Essen eine Tageskasse?

Nein. Tickets gibt es nur online, und 2026 waren alle Tage außer Sonntag schon vor der Messe ausverkauft. Wer hin will, sollte im Sommer buchen.

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